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Praxisbeispiele

Praxisbeispiel 1

Praxisbeispiel 1Mit 100 bis 120 Mitarbeitern werden Landmaschinen und Stahlschweißkonstruktionen, letztere mit elektrischen und hydraulischen Komponenten gefertigt. Der Landmaschinenbereich ist an eine andere Firma abgegeben worden und läuft an diesem Standort aus. Der Bereich der anderen Stahlschweißkonstruktionen befindet sich im Wachstum; hierfür steht nur eine Lackierkabine ohne Frischluftzufuhr (es wird die Hallenluft genutzt) zur Verfügung, und neben den Landmaschinenteilen werden auch einige Teile für die Stahl-konstruktionen im Tauchverfahren beschichtet. Mit der Abgabe der Landmaschinenproduktion soll allerdings auch das Tauchen eingestellt werden. Der Bau einer neuen Halle soll noch in diesem Jahr fertig gestellt werden; hier soll der neue Lackierbereich untergebracht werden.

IST - Zustand
Beschichtet wird Stahl, selten auch verzinkter Stahl. Eingekauft werden nicht gefettete Grobbleche und Profile. Vor der Lackierung erfolgt lediglich ein Abputzen mit einem Lappen und Verdünnung. Die Grobblechteile werden in einer Durchlaufstrahlanlage vorbehandelt; die Profile werden gestrahlt angeliefert.
Lackiert werden Einzelteile im Tauchverfahren, transportiert durch Hängeförderer, mit manuell geregelter Durchlaufzeit. Es stehen drei Tauchbecken zur Verfügung. Entstehende Läufer werden in Kauf genommen. Es werden nur Lösemittellacke eingesetzt. Die Trocknung erfolgt hängend in der selben Halle, eine Frischluftzufuhr besteht nicht, lediglich eine geringe Luftabsaugung an den Tauchbecken.
Im Lackierspritzraum wird die abgesaugte Luft über versetzt angeordnete Bürsten geleitet, so dass größere Partikel trocken abgeschieden werden. Diese Bürsten werden ausgewechselt. Eingesetzt werden 1K-Lacke, für Teile für den Außenbereich auch 2K-Lacke, gespritzt wird mit Becherpistole Airless-ESTA. Die Decklackierung (2-4 Hauptfarbtöne, bis zu 90 weitere) erfolgt Nass-in-Nass nach der Grundierung (ein Farbton). Lackiert werden hier die komplett montierten Geräte. Insgesamt werden 15,6 t Lack pro Jahr eingesetzt, davon 7,1 t/a im Tauchbecken und 8,5 t/a im Spritzstand.
Der jährliche Lösemittelgesamtverbrauch von rund 8,2 t/a liegt nach der 31. BImSchV über dem Schwellenwert von 5 t/a, während im Tätigkeitsbereich der Oberflächenreinigung mit 600 kg/a der Schwellenwert in Höhe von 1 t/a nicht erreicht wird.

Lackierkonzept
Im Falle der Umsetzung der im zukünftigen Lackierkonzept vorgeschlagenen alternativen Lacksysteme, hier Pulver- bzw. Wasserlack mit 10 % Lösemittelanteil ergäben sich - jeweils als Einzelfall bewertet, d.h. die anderen Lackierbereiche bleiben unverändert - folgende, VOC - Reduktionswerte:
  • Pulverlack statt Tauchbecken 4,1 t/a
  • Wasserlack im Spritzstand 3,4 t/a
  • Wasserlack gesamter Bereich 7,7 t/a
Kleinere Geräte werden bisher im Tauchverfahren mit entsprechend hohem Lack-Auftragswirkungsgrad (AWG) beschichtet. Zukünftig erfolgt ein Spritzauftrag. Die großen Geräte werden bereits mit Spritzverfahren lackiert. Insgesamt sollten zukünftig alle Geräte mit HVLP-Technik spritzlackiert werden. Insofern ergibt sich keine Lackkosteneinsparung. Die Vorteile des neuen Lackierkonzeptes sind:
  • verbesserte Beschichtungsqualität hinsichtlich dekorativer Wirkung und Korrosionsschutz
  • bessere Arbeitsbedingungen und Erfüllung der Lösemittelverordnung
Mit Hilfe weiterer Maßnahmen der Lackrezepturformulierung sind zusätzlich umweltentla-stende Effekte zu erzielen. Durch Erhöhung des Festkörpers der eingesetzten Lacksysteme, z.B. High solids, können nochmals Lösemittelemissionen reduziert werden.
Daraus ergibt sich für den Betrieb zukünftig nachstehende Umweltsituation und Bilanzierung unter Anwendung eines 1K-Wasserlackes im marktüblichen Preis von 10,-- €/kg und mit identischem Festkörpergehalt des Lösemittellackes. Aus dem Einsatz der HVLP-Spritztechnik resultiert bei 20 %iger AWG-Erhöhung eine Lackmengeneinsparung von 2 t/a.
Die Reduktion der VOC-Emissionen um ca. 90 % ist möglich. Im ökonomischen Bereich werden die Einsparungen, die sich im ökologischen Bereich niederschlagen, durch den höheren Preis beim Wasserlack aufgezehrt. Der Wertverlust beim Overspray wird um ca. 52 % gesenkt. Entscheidend für den Betrieb ist aber die Qualitätssteigerung.

Realisierung
Derzeit befindet sich der Betrieb in der Phase des Neubaus einer großen Halle, in der der Lackierbereich für alle Produkte errichtet wird. Zum Einsatz kommen nunmehr 1K- und 2K-Wasserlacke des bisherigen Lacklieferanten, wobei die 2K-Systeme für den Außenbereich eingesetzt werden. Es werden gemäß dem vorgeschlagenen zukünftigen Lackierkonzept HVLP-Pistolen zum Einsatz kommen, allerdings wurde von der gleichzeitigen Verwendung von ESTA bei HVLP abgeraten. In der neuen Halle findet vorgelagert die Vorbehandlung der Teile mit Reinigung und Phosphatierung in einem Schritt und Spülung statt, wobei die Reinigung mit Lanzen erfolgen soll.
Der größte Gewinn liegt in einer Qualitätssteigerung der Lackierung, was die Unternehmensposition nachhaltig stärkt. Für weitergehende zukünftige Anforderung stehen zudem ohne bedeutende Investition weitere Optionen offen.